Warum du dich unsichtbar machst, um gesehen zu werden.
„Ich halte mich klein, um unsichtbar zu sein. Damit ich für andere keine Gefahr darstelle und um “dazu zu gehören”. Ich mache mich also unsichtbar, um gesehen zu werden? How fucked up is that? Bedeutet es, nur wenn ich unsichtbar bin, werde ich “geliebt”?“
Das war ein Eintrag in meinen Morgenseiten.
Und ich finde es immer wieder faszinierend, welche Geschichten wir uns erzählen.
Welche „Wahrheiten“ unser Gehirn konstruiert, um Sinn zu machen.
Damit ich für andere keine Gefahr darstelle & um „dazu“ zu gehören
Ja, macht Sinn. Ich checks.
Früher (als wir noch in Höhlen gelebt haben) war Zugehörigkeit existentiell, um dazu zu hören.
Wenn da jemand ausgegrenzt wurde, war das keine Kleinigkeit.
Unser System erinnert sich daran.
Wenn ich auf mein Leben zurückblicke, wurde ich öfter schon mal ausgegrenzt.
Besonders dann, wenn ich sichtbar wurde.
Dann, wenn ich Dinge auf Instagram oder meinem Blog geteilt habe.
Da wird hinter dem Rücken geredet.
Dass das alles zu privat sei.
Dass es „cringe“ ist, was ich tue.
Wahre Freundschaften zeigen sich sehr deutlich, wenn du raus gehst.
Für dich einstehst. Oder – oh my fucking god – sogar erfolgreich wirst.
Ich bin 51. Vielleicht ist das auch ein Generationsding:
„Du bist so ein liebes Mädchen.“
„Du bist so herrlich unkompliziert.“
Yeah. I´m not.
Also nicht wirklich.
(oh ha, und hier schon wieder relativiert)
Oder kennst du diese Sätze:
„Jetzt macht sie einen auf Fame. Na, wer´s nötig hat…“
Wenn ich also weiter das braves Mädchen bleibe, schön mit der Herde mitschwimme (ist das ein richtiger Ausdruck?), mich anpasse, dann ist alles tutti.
Or not.
Denn diese Anteile in mir, die ich dann nicht zeige, nagen an mir.
Die Wut, die nicht ausgedrückt wurde.
Immer dann, wenn ich innerlich etwas denke, aber äußerlich nichts sage.
Und auch die Freude.
Die Begeisterung.
Die Lebendigkeit.
Alles wird leiser.
Ich werde leiser.
Damit ich für andere keine Gefahr darstelle
WTF
Für wen bedeutet es denn Gefahr, wenn wir wirklich präsent sind?
Wer hat denn was davon, wenn ich mich klein halte.
Und was habe ich davon, wenn ich mich nicht zeige, denn irgendeinen Vorteil hat es ja auch für mich.
Wenn ich nichts teile, kann mich niemand verurteilen.
Wenn ich mich anpasse, werde ich nicht ausgeschlossen.
Wenn ich unsichtbar bleibe, bleibt alles sicher.
Aber zu welchem Preis?
Ich wusste irgendwann gar nicht mehr, wer ich eigentlich bin.
So´n bisschen wie in dem Film: „Die Braut, die sich nicht traut“
Besonders als ich selbstständig wurde und mich mit meiner Geschichte ausgiebig auseinandergesetzt habe, wurden diese Fragen noch mal sehr, sehr laut.
Wer bin ich wirklich?
Was macht mich aus?
Welche Werte verkörpere ich?
Woher komme ich?
Wo will ich hin?
Jetzt sind das die Fragen, die ich den Frauen stelle, die ich fotografiere.
Denn, wenn es um Sichtbarkeit geht, dann geht es nicht um ein hübsches Lächeln, makellose Haut und auch nicht um „professionelle Ausstrahlung“.
Sondern dass sie sich selbst begegnen, um „wirklich gesehen zu werden“.
Unangepasst, ungefiltert und PUR.
Diese Aussage von Brene Brown hat bei mir alles verändert:
„I was so shocked to learn that the opposite of belonging is fitting in. Because fitting in is assessing a group of people and thinking “who do i need to be” and changing who you are.”“
Denn wahre Zugehörigkeit verlangt von uns niemals, dass wir uns verändern, sondern dass wir wir selbst sind!!!
Teile gerne in den Kommentaren, was du dazu denkst oder schreib mir.
